'Echte Menschen', online finden?

hilkeJun 12, 2026

Vor Kurzem war ich am "Kafi Im Galotti", einem Offline-Treff für Musiker*innen, der mit dem Slogan "social-NO-Media" wirbt. Ich beobachte in der Szene einen Hang nach weniger online sein, um sich dafür mehr im realen Leben zu begegnen. Ich verstehe diesen Drang, obwohl ich mich das letzte Jahr vor allem auf alternative Kanäle für Online-Kommunikation spezialisiert habe. Ein wichtiges Ziel von Online-Kommunikation ist es die richtigen Leute zu finden, um sich dann offline zu treffen. Ich werde noch oft die Devise von Dame wiederholen, weil sie so gut ist: "Be offline more, online better." Dabei steht die Qualität unserer Begegnungen im Mittelpunkt und wir wollen uns mit den Leuten vernetzen, die wir spannend finden. Wir suchen nach einem Stammtisch, wo wir echte Menschen "aus Fleisch und Blut" treffen, nicht nur die Avatare, die sich fortwährend als Produkt auf den Socials vermarkten - so erzählten mir die Besucher*innen beim Galotti "Kafi-Treff". Sie suchen nach Community und Zusammenarbeit, und wollen sich vom "Ell­bö­geln" und von der vom kapitalistischen Erfolgsnarrativ geprägten, erschöpfenden Selbstdarstellung, die sie manchmal an der Musikhochschule verinnerlicht haben, befreien. In diesem Sinn ist der Galotti-Treff ein Moment des Aufatmens: an einem ruhigen Montagmorgen plaudern knapp zehn Menschen, die sich teilweise schon kennen, aber meistens noch gar nicht, über das, was sie gerade beschäftigt. Es ist nicht das Ziel das Musikbusiness zu besprechen, die Fragen sind eher: "Wer bist du?", und: "Wie geht es dir?".

Es werden ein Paar Flyer verteilt, eine Email-Liste liegt aus, und es gibt eine Umfrage: "Fühlst du dich hier wohl?" Aber auch: "Wie hast du vom Galotti-Treff erfahren?" Ich selbst hatte in einem Telegram-Chat ein Handy-Bild von einem schnell geschriebenen Zettel gesehen: "Kafi im Galotti, Kaffee & Tee zum Prix Libre", nur mit dem Datum, der Zeituhr, und der Adresse. Einer der Initiativnehmer*innen, ein gut vernetzter Musiker, hat trotzdem einen Instagram-Post gemacht, und viele sind deswegen hier. Mir fällt auf: Auch wenn wir uns wünschen mehr offline zu sein, brauchen wir trotzdem die Tools der Broligarchen, um die Leute auf unsere Community-Veranstaltungen aufmerksam zu machen. Vielleicht wollen wir nicht den überfordernden Content-Stream von einem Instagram-Klon, sondern etwas mehr "stripped down", eine übersichtliche Liste von den Community-Events, die wir spannend finden. Wir können ein neues Tool bauen, eine Online-Inspirationsquelle von allen kleinen Kollektiven und losen Gruppen, wo sich echte Menschen zum Austausch treffen wollen.

An dieser Stelle sehe ich die Möglichkeit, meine Kompetenzen als Software-Engineer für die Community anzuwenden. Die technologische Basis für monopolfreies Community-Building ist da, ebenso für Instagram-artige Feeds, wie für einen minimalistischen Veranstaltungskalender. Vielleicht finden wir das nächste "Kafi im Galotti" in einem neuen Community-Kalender, den wir nicht von den Tech Bros vereinnahmen lassen? Hier schon mal eine schnelle Skizze - ich habe gedacht, dass wir das Ding byebye.broligar.ch taufen...